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Wieso lieben mich diejenigen Männer, die ich nicht liebe?

Heute möchte ich einmal auf eine Frage eingehen, die ich schon x Mal von Frauen gestellt bekommen habe:

„Wie kommt es eigentlich, dass sich immer diejenigen Männer in mich verlieben, von denen ich nichts will und umgekehrt - die Männer, in die ich mich verliebe, wollen nichts von mir?“

Tja, vielleicht kommt Dir das ja bekannt vor ...

Wieso, um alles in der Welt, verlieben sich vor allem Männer in Dich, an denen Du (zumindest emotional) überhaupt kein Interesse hast ... ?

Während der Mann, in dem Du ein ernsthaftes Beziehungspotential erkennst, entweder gar kein Interesse an Dir hat oder sich zumindest relativ gleichgültig verhält ...

Ach, diese ganze Verlieberei ist doch zum verrückt werden, stimmt’s ... ?

Nun ja, dann lass uns doch mal schauen, ob das tatsächlich so ist, oder ob man aus diesem seltsamen Phänomen nicht doch etwas Wichtiges lernen kann.

Wenn Du einmal mit einem Mann zusammen warst, der einfach alles für Dich tat, der Dir jeden Wunsch von den Augen ablas und Dich Tag und Nacht mit seiner Aufmerksamkeit bombardiert hat, dann weißt Du: Das mag zwar irgendwie schmeichelhaft sein, aber so richtig verlieben kannst Du Dich in solch einen Mann nicht. Klar, Du magst ihn. Du hast freundschaftliche Gefühle für ihn. Aber die meiste Zeit über tut er Dir einfach nur leid ...

„Weshalb hat er denn nur mich im Kopf? Gib es denn nichts anderes in seinem Leben? Und wieso versucht er mir permanent alles recht zu machen? Und je schlechter ich ihn behandle, umso mehr scheint er mich dafür zu lieben. Irgendwie tut er mir ja leid, aber ich brauche einen Partner; einen Mann der mir ebenbürtig ist. Und nicht einen „zugelaufenen Hund“, der ständig um mich herumschleicht und komplett abhängig von mir ist ...“

Und früher oder später gibst Du ihm zu verstehen, dass Du kein Interesse an ihm hast. Ende der Geschichte…

Doch was hat er bei genauer Betrachtung eigentlich getan, oder vielmehr NICHT getan, dass Du nicht mal einen Funken von Verliebtheit bei ihm spüren KONNTEST?

Ganz einfach: Er hat DICH zu seinem uneingeschränkten Lebensmittelpunkt erkoren. Er hat DICH zum wichtigsten Menschen seines Lebens erklärt und sich so verhalten, als hätte er keinerlei andere Interessen außer DIR. Und damit hat er Dich regelrecht erdrückt.

Mmhh, seltsam ... Dabei wünschen sich doch so viele Frauen genau das! Einen Mann, der sie auf Händen trägt, der ihnen die Sterne vom Himmel holt ... Der sich Tag und Nacht bei ihnen meldet, als gäbe es sonst nichts auf der Welt ... !

Aber anstatt dieses Verhalten zu würdigen, empfandest Du es eher als „völlig verzweifelt“, „unselbstständig“ oder sogar ein wenig „verrückt“.

Die Menschen sind schon komisch, magst Du jetzt denken.

„Da bekommen wir, was wir eigentlich wollen und wissen es dann nicht zu schätzen…“

Stop ...

Die Wahrheit ist (wie so oft) ein wenig differenzierter:

Ja, wir Menschen (Männer wie Frauen) mögen es, wenn wir vom jeweils anderen gemocht, geschätzt und geliebt werden. Aber: Wir wollen nicht zu dessen Lebensmittelpunkt gemacht werden. Und zwar weil wir intuitiv wissen, dass wir nicht für das Lebensglück eines anderen Menschen ALLEIN verantwortlich sein können. Das können wir vielleicht bei einem Kind (schließlich ist ein Kind tatsächlich völlig hilflos auf uns angewiesen), aber niemals bei einem Erwachsenen.

Wenn sich ein erwachsener Mensch uns gegenüber wie ein Kind verhält („Bitte, sei immer für mich verfügbar, ich brauche dich ganz dringend für mein Lebensglück!“), verlieren wir nicht nur den Respekt vor diesem Menschen. Wir verlieren auch jede erotische Anziehung und jeden Funken von Verliebtheit. Die einzige Emotion, die wir für diesen Menschen noch übrig haben, ist (wenn überhaupt) Mitleid.

Das hat auch nichts mit „Gemeinheit“ oder „Undankbarkeit“ zu tun. Wir suchen ganz einfach nach einem PARTNER und nicht nach einem Schutzbefohlenen.

So weit, so gut ...

Und jetzt muss ich Dir eine unangenehme Frage stellen:

Kann es sein, dass Du Dich bei Deinem Kandidaten, in den Du so RICHTIG verliebt warst (oder bist) womöglich auch ein wenig wie eine „verzweifelt Verliebte“ verhalten hast?

Also ähnlich wie die Männer, die DIR verzweifelt hinterher liefen?

Ständig starrst Du auf Dein Handy und schaust, ob er Deine Nachricht schon gelesen hat.

„Ja, hat er! Aber er antwortet nicht! Obwohl er die ganze Zeit schon online ist!“

Deinen gesamten Wochenplan richtest Du danach aus, ob und wann ER Zeit für Dich hat. Und wenn er keine Zeit für Dich hat, sitzt Du enttäuscht alleine zuhause und Deine Gedanken kreisen permanent um IHN.

Deine komplette Stimmung, ja Dein gesamtes LEBENSGEFÜHL steht und fällt mit der Tatsache, ob ER sich Dir gegenüber liebevoll verhält oder nicht ...

Und dann, eines schönen Tages, hälst Du es nicht mehr länger aus. Nachdem auch Deine Freundinnen einstimmig zu dem Urteil kamen „Das kannst Du Dir nicht weiter gefallen lassen!“, stellst Du ihn mit einer Mischung aus Ungeduld und Wut zur Rede:

„Also ich will jetzt endlich wissen, wo unsere Reise hingeht. Gibt es eine gemeinsame Zukunft mit uns? Und wenn ja - wann genau kann ich damit rechnen, dass Du Dich endgültig für mich entscheidest?“

Autsch ...

Mit ziemlich genau 100%-iger Wahrscheinlichkeit löst DU mit diesem Verhalten genau das in einem Mann aus, das ein „verzweifelt verliebter“ Mann bei DIR auslöst:

Das komplette Absterben jeder Verliebtheit bis letztlich nur noch ein kleines Häufchen Mitleid für Dich übrig bleibt.

Er denkt sich „Was ist denn bitte mit dieser koketten und süßen Frau vom Anfang passiert? Sie ist mir ja völlig verfallen! Und das schon nach kurzer Zeit! Sie ist ja schon eine Nette, sie tut ja wirklich alles, um eine Beziehung mit mir zu haben… Aber scheinbar hat sie außer dieser ominösen Beziehung mit mir (oder mit wem auch immer, sie will eben krampfhaft und verzweifelt eine Beziehung) nichts im Leben, was irgendwie von Bedeutung wäre… Demnach bin ich komplett dafür zuständig, ihrem Leben einen Sinn zu geben? Nein, diese Verantwortung KANN ich nicht übernehmen… Wie bringe ich ihr jetzt am schonendsten bei, dass es keine Zukunft mit uns gibt?“

Und jetzt kommt einer der Unterschiede zwischen Mann und Frau zum tragen:

Frauen beenden die Geschichte mit einem „verzweifelt verliebten“ Mann meist kurz und schmerzlos.

Männer bringen dieses „Ende mit Schrecken“ oftmals nicht so leicht über die Lippen. Zu tief ist der Grundsatz in ihnen verankert: „Frauen darf man nicht verletzen.“

Und deshalb fallen dann Sätze, mit denen sie glauben, eine Frau „nicht ganz so doll zu verletzen“:

  • Du hast einen besseren wie mich verdient
  • Ich bin unfähig, mich fest an jemanden zu binden
  • Es liegt nicht an Dir, es liegt an mir
  • Ich kann Dir nicht das geben, was Du brauchst

... und weitere Variationen solcher „Ausflüchte“, die bei genauer Betrachtung nur eins bedeuten:

Ich fühle keine Anziehung mehr für Dich. Und zwar deshalb, weil Du Dich extrem unentspannt verhältst. Ich bin plötzlich zum Dreh- und Angelpunkt Deines Lebens geworden. Aus jeder Deiner Text-Nachrichten trieft förmlich Deine Verzweiflung und Dein Unglück. Du leidest ganz offensichtlich wie verrückt, wenn ich mal weniger Zeit oder auch Nerven für Dich habe. Sorry, aber ich KANN nicht für Dein Lebensglück verantwortlich sein, das ist vollkommen unmöglich.

Wie schon gesagt: Du wirst solche klaren Worte von fast keinem Mann jemals hören. Sie glauben, es wäre ganz einfach zu grausam, einer Frau die nackte Wahrheit wie ein nasses Handtuch um die Ohren zu hauen. Vor allem wollen viele Männer eines nicht: Sie wollen eine Frau nicht weinen sehen. Die Tränen einer verletzten Frau sind für sie nahezu unerträglich…

Und deshalb verpacken sie die Wahrheit lieber in solche (vermeintlich schonenden) Sätze wie z.B. „Ich bin nicht der Richtige für Dich, Du hast einen besseren verdient“.

Fatalerweise glaubt die Frau dann meist, sie könnte die Liebe doch noch irgendwie retten, „schließlich hat er ja nicht eindeutig gesagt, dass es vorbei ist“.

Und anstatt sich endlich mal wieder auf sich selbst zu besinnen und sich aus dem Wahnsinn der „verzweifelten Liebessucht“ zu befreien, fängt sie dann oft erst recht an, darüber nachzudenken, dass „wir vom Sternzeichen her eigentlich perfekt zusammen passen! Er ist nur eben etwas stur..."

Tagelang kontrolliert sie seinen Facebookstatus. Hat er womöglich eine Andere? Wer ist diese Frau, die sein neues Profilbild geliked hat? Und überhaupt - wieso sieht er auf diesem Bild so glücklich aus? Vermisst er mich denn gar nicht?

Spätestens jetzt fängt sie an, nach Lösungen zu googeln.

Und stößt dabei auf sich-verwandeln.de…

... fühlst Du Dich jetzt vielleicht ein wenig ertappt? ;-)

Nun gut, was will ich Dir damit eigentlich sagen?

Ganz einfach:

Wenn immer Du Dich in der Interaktion mit einem Mann befindest (völlig egal ob ihr euch gerade erst kennengelernt habt oder schon in der gemeinsamen Wohnung wohnt), solltest Du Dir regelmäßig Momente der Selbstbesinnung gönnen.

Ziehe Dich gewohnheitsmäßig für ein paar Stunden ganz alleine zurück und stelle Dir folgende Frage:

„Tue ich momentan genug für mich, um glücklich zu sein? Kümmere ich mich aktiv darum, FREUDE in meinem Leben zu empfinden - und zwar UNABHÄNGIG von meinem Kandidaten? Oder erwarte ich womöglich ausschließlich von meiner Beziehung/meinem Geliebten, dass er mich glücklich macht? (und bin dann enttäuscht/wütend/verletzt, dass er das eben nicht tut?)“

So „unbequem“ es vielleicht sein mag:

DU bist für Dein Lebensglück verantwortlich, niemand sonst. Suche nach diesem Glück und teile es dann mit Deinem Kandidaten. Denn geteiltes Glück ist doppeltes Glück. DAS ist der Sinn von Beziehungen - nicht mehr und nicht weniger!

Und wenn Du Dich das nächste Mal dabei erwischst, wie Du gequält auf Dein Handy starrst und auf eine Antwort von ihm wartest, stelle Dir ehrlich und ungeschönt die Frage:

„Verhalte ich mich womöglich gerade wie eine „verzweifelt Verliebte“? Also so, wie sich damals dieser komische Kauz von Mann verhalten hat und mir nichts anderes übrig blieb, als ihn abzuservieren?“

Wenn Deine Antwort darauf „ja“ lautet, dann ändere Dein Verhalten.

Und zwar sofort. Bevor es zu spät ist.

Denke immer daran: DU bist keine „verzweifelt Verliebte“.

Du hast Würde. Du hast Stolz. Du hast Selbstachtung.

Und selbst wenn Du mit George Clooney höchstpersönlich zusammen bist: Du machst den Sinn und das Glück Deines Lebens nicht von einem Mann abhängig.

Sind wir uns da einig? ;-)

In diesem Sinn wünsche ich Dir alles Gute und:

Bleibe Dir selbst treu.

Es ist schwer, das Glück in uns zu finden. Und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.

Nicolas Chamfort